thie.me | Jens Thieme views and discussions

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die hölle auf erden

ewigkeiten
rieseln in dich
wie kosmischer staub

dunkelkammer
gefrorener traum
zertrümmert dich


menschenleer
ein jeder selbst
inhaltlose geschöpfe
entziehungsanstalt
für alkoholiker

röchelt dein zerbissenes lachen
zitterst du gefesselt an dir
lautlos schreit dein qualvolles wachen

versuchsgefahr tödliche gier

breitbeinig die hure pharmazie lockt zum vernichtenden koitus mit deiner zerrütteten willenskraft

die inquisition des 20. jahrhunderts grinst weissbekittelt in deine akte
zwangseinweisung als todesursache

pantomim phallin

stocksteif lustgeädert
versteckt hinter zartheiten
ungeduldig hitze kosten
winkt mit dem zaunpfahl

lust quetscht hervor
zärtlichkeit heuchelnd
warten auf beethoven
oder so manches spiel

fiebernd dem moment entgegen
wo alles sich findet
in dir
und sie?


schlafwendung bäuchlings
lästig nass geküsst
müdbrüchig abschütteln
was dir gelten soll
selbstherrlich rekeln
in tagtraumposierlicher gier
dich zu zeigen wie einer
der sich selbst vor geilheit
auf diese rolle vergewaltigt

vor diesem schrecklichen bild
alle schotten dicht und wieder:

hitze saugend augenblicke fressen
hungernden aus der schwachen hand

reissen
reinstecken

du alte mistsau!

übung

verschlungene gliedmassen
im heissen kontrakt
den meine lust
mit deiner nassen gier geschlossen hat

kräftiges finale schüttelt uns wach
mit mühe entkomme ich deinen lästigen zärtlichkeiten

wen ich alles gesehen habe...

den sportler...

gepeitscht von ruhmentarteten managerutopien auf dem grat zwischen disziplin und selbstaufgabe

pharmatraumatisierendes ungetüm der pflicht untertan besser zu sein als sein fleisch sich dagegen zur wehr setzen könnte

längst beraubt seiner existenzbestimmten identität getrieben von dem wahn solcher die in ähnlichen situationen nie handeln mussten noch dazu in der lage wären

den bettler...

versucht sich einer traumwelt zu entreissen die so unrealistisch das erdachte sättigungsgefühl sein mag seelische konsequenzen fordernd ein weiterleben lediglich für einen neuzuschaffenden menschen möglich machen sollte und muss doch seiner selbst überdrüssig von sich behaupten soll anders bestenfalls seine phantasien gestalten zu können insofern das brot des tages als schutz vor reichtum zu erbetteln

den dichter...

verpflichtet seinen ängsten vor all denjenigen die bettler und sportler erzeugen und richten sich selbst im finsteren schatten einer massenzucht zivilisieren lassen hat sich verschrieben dem ziel, das zeichen zur bewegung zu setzen

dem treulosen

dem ignoranten

dem verantwortungsscheuen

dem scheusal das ich gesehen habe auf schritt und tritt in vielen von uns

fragezeichen

wer fand das geheimnis der träne in einem kindergefängnis?
wer besiegte die angst die gier den hass in einer einzigen nacht?
wer schlug kaiser napoleon das kruzifix von der eisernen stirn?
wer sah den greis gen norden laufen, flucht vor der klebrigen sonne?
wo findet künftig die liebe statt?
wo ist frieden erlaubt?
wo sind wir eigentlich?
schutzengel sind fluglahme fehlkonstruktionen
wusstest du das nicht?
wusstest du nichts von der onanie dieser welt?
wusstest du nichts von deiner eigenen schuld?
gehörst du etwa mit zu denen die funktionieren?
gehörst du etwa mit zum alptraum unserer tage?
gehört deine seele noch dir dein gewissen dein mut?
kennst du das spiel mit den kurzen fäden?
kennst du dich aus mit macht und magie?
kennst du deine schwächen unsere liebe zu all den arschlöchern die sich so verschenken wie du?
wie wehrst du dich gegen meine fragen?
wie wirst du es anstellen mich lügen zu strafen?

es wäre eine rede zu halten

über die amputation elementarster grundrechte und bedürfnisse einer 17-millionenmehrheit an einen totalitären dogmatikerclan die moderne inquisition als aushängeschild einer kadaverpolitik (als marx zu moritz wurde)

über die freundliche unterstützung der rheinfischer durch eine schweizer milliardenfirma die fische brauchen jetzt nur noch eingesammelt und gegessen zu werden und das trinkwasserproblem hat sich auf wundervoll billige weise für uns gelöst (es klappern die zähne am rauschenden bach)

über das goldene spielzeug einer wohlstandsgesellschaft grausamere zeiten haben wir gott-sei-dank überwunden und die schublade schlechter erinnerungen hat sie sorgsam verstaut

es ist nicht mehr notwendig zurückzudenken (ein paar spenden um die kinder in den armen kulturen mit spielzeugpanzern und plastikrevolvern auszurüsten - die armen schweine)

über den gräbern

auf den schreinen geduckter seelen
kerzenglanz im abgesang
findet sich all licht im dunkel
und verleiht der stille klang

auf den gräbern alter liebe
schmerzvoll haucht sie leben aus
nimmt den tag in ihre arme
und trägt ihn in die ferne raus

auf den tagen toter denker
blinkt ein unsichtbarer schein
"soll ein jeder von uns wissen"
ihr sollt nicht umsonst gestorben sein

zeitgeist

alte - kranke
schlachtet hin

neger - juden
nach altem brauch

schlachtet alle skin by skin
narren - krüppel - kinder auch

tötet alles was da unrein ist
vernichtungslager müssen her
nicht nur einer diesen weg begrüsst
tötet nur die zweifler dieses heer
der unbequemen
schreien wird dann keiner mehr

nur eins wird überleben
das ewige wissen um eure taten
in dieser noch so duldsamen weit

wieder - wiederholung

fernsehstars mit der kugel im genick
popsänger im kokainvollrausch
politiker mit dem sammeltopf
persönlichkeiten zum versteckten tausch

albert einstein mit grossmutter tschernobyl
adolf hitler im tanz mit den terroristen
alexis corner vor der pocketkamera
napoleon in der erdumlaufbahn
karl marx in der vodkaflasche

'herbert ist doof'
steht an der häuserwand

und wir?
von wem lässt du dich gerade zum narren halten?

der schoss

betreibjagtes bündel
lebendiger gestalt
trotz der allgewalt der zehntausend dinge
in unwissenheit der ohnmacht gegen den tag

der schreitet und geht
wie er es will
ausgeblüht in duftweichem flaum
vor zeiten der schoss aus dem schosse aller
geschlossen und längst nimmerdar und verloren auf ewig

einmal spendend
verschwunden für immer
wie er es will

Das Gestein, das kalte

Tropfensprühend peitscht der Wind die graue Asche auf dem spiegelblanken Asphalt hin und her. Wolkenzerfetzt sausen Böen durch das skelettierte Geäst der Spätherbstbäume im nahen Park.

Auf dessen Teich toben viele kleine Unwetter, vertreiben jede Ahnung lustig schnäbelnder Ententanten und spasskreischender Knirpse beim Jagdspiel mit den Spatzen am graskräuseligen Ufer. Wild fegt Laub in‘s trübe Bild urzeitlicher Gewalten. Blitze zucken in der Ferne, die sich dunkel jeder Fernungsschätzung entzieht und böse grollend in der Nacht verschwinden will.

Noch gleissen Lichtbalken gegen die Spiegelhaut der Asphaltwege, Autos hinter sich herschleppend wie störrische Esel auf Glatteis. Noch kann das Frühabendgrau dieses Regentages die Kleinstadtkonturen nicht wegwaschen, nicht verschlucken.

Entstresst liegen sich verwaiste Gehwege gegenüber, wartend auf die nächtliche Stille und die Aussicht, sich ein paar Stunden lang wirklich ungestört gegenseitig anschweigen zu können. Dachantennen zittern ängstlich den Blitzen entgegen, irgendwo rutscht ein Ziegel selbstmörderisch über die Regenrinne in luftiger Höhe, um mit hellem Klang nach kurzer Trauerstille sein gehwegsplitterndes Ende zu vollziehen.

20 Minuten vor Ladenschluss eilt ein um sein vielleicht fünfjähriges Töchterchen besorgter Vater regenschützend um den Stamm einer sich grimmig rekelnden Vorgarteneiche. Die Kleine, bemüht dem Vatertempo standzuhalten, muss schon beinahe rennen. Kopfduckend scheinen die flinken Füsschen und die goldgelben, feuchten Löckchen dem knallroten Regenmäntelchen davonlaufen zu wollen.

An der nächsten Strassenecke bleiben beide stehen und blicken die Strasse hinunter und wieder hinauf, um sie dann autofrei und pfütze-patschend zu überqueren. Eine überraschend leichte Tür springt fast hüpfend ins Haus, um zuerst die Kleine und träge Sekunden später den beleibten Vater zu verschlucken.
Glockenklingelnd schliesst sich die Tür von innen, eine warme Frauenstimme wiegt das Mädchen durch die kindlich, geheimnisvolle Unordnung kunterbunter Spielsachenberge in uralten, holzwurmtickenden Regalen. Der Vater schmiert sich unschlüssig um die Ladentheke, nichts von seiner Ungeduld verraten wollend.

Ein seltsam gequetschtes Lächeln schleicht sich über sein Gesicht, als das Mädchen puppeschlenkernd aus einer Wühlecke krabbelt. Selbstvergessen legt sie das Spielzeug mit dem Gesicht nach unten auf den Ladentisch, der Vater schiebt den regennassen Mantel über den Geschäftsbauch und zahlt mit einem grossen Schein.

Fast scheint es, als wolle er sich dafür entschuldigen. Da reisst die Kleine die Puppe am Bein vom Tisch und stürzt wie wild aus dem Geschäft, zitternd läuft ihr der Vater hinterher. Stumm nebeneinanderher laufend gräbt sie ihre Stupsnase in eine Regenmantelfalte, hat riesige, angsterfüllte Augen und sieht immer und immer wieder dieses eklige Ding vor sich.

Vaters röchelnde Worte schneiden ihren Kopf in tausend Stücke: “Fass richtig an und rubble schneller...schneller...schneller. Und dann sieht sie seine Zunge aus dem taschen Mund fallen und seine Augen krankhaft rollen und das Ding ist ganz gross und ganz heiss und... Warum, Warum?!

Sie weiss es nicht und fühlt nichts und hat einfach nur Angst und Ekel und...
springt 2 Tage später aus dem 13. Stockwerk aus dem Fenster mit dem Kopf voraus in die Tiefe, aufs Gestein, das kalte...

der anfang vom ende

kalte sonne - grau das meer
schwefelfieber - luft wiegt schwer
kein gedanke - an ein glück
bis zum wahnsinn nur ein stück
alte sinne - krank und stumm

verlorene worte - sinnlos dumm

sterne leuchten niemals mehr
leise stirbt irgendwer
keine hoffnung
um die welt
geschlagene stunden
die niemand zählt
teufel tanzen - über uns
nasse augen - trockner mund


träume werden schwer wie blei
lieber gott oh steh' uns bei
lasst uns singen letztes lied

wenn das letzte feuer glüht
bis zum letzten abendrot
bis zum letzten leisen tod

keine hoffnung
um die welt
verratene jahre
die niemand zählt

oder fasst euch alle an
oder brecht gemeinsam diesen bann
oder trocknet tränenmeer
oder macht dem clan das leben schwer

oder nehmt euch bei der hand
oder baut euer eigenes land
oder werft den ersten Stein

wird dann nicht der letzte sein
auf dann lasst uns menschen sein
steht euch bei, steht euch bei

ein licht zu euch

alten omas über die strasse helfen
knickrigen knirpsen die schnürsenkel binden polizisten

popen und strassendirnen eine nase drehen
stinkende autos mit comics bekritzeln
einmal in der woche mit mir selber schlafen
in stockdunklen wäldern schwarze messen zelebrieren
bei "dreamerdeceiver" ein mädchen lieben
dreissig gedichte für ein waisenheim schreiben in meinem wohnzimmer ein kornfeld anpflanzen
"das brot der erde..."
mit meinen freunden einen weinkeller plündern

in schlatlosen nächten ein lexikon der gefühle schreiben
einen eisberg möchte ich schmelzen
oder
ein altes radio auf dem mond installieren
oder
meine ungeborenen kinder der zukunft schenken oder
einfach den menschen ein riesiges zeichen setzen
"dass ihr mich findet..."

stierkampfsequenz

"tiere sind
nutzlose
geschöpfe
ohne seele"
sagte der schnüffelnde
fünfsternekellner und
verschwand in dem eigens
für ihn installierten
abflussrohr
nur mir war das
peinlich so steaktetzen mittels eines holzspatels aus
meinen zahnlücken
popelnd
wie
viele
wälder
müssen
denn
eigentlich
sterben
um
halbverdaute
tierkadaverreste
aus perversen
zahnruinen
zu hebeln?

und am rande wohnen die wilden

irgendwo draussen
leben die wilden

irgendwo draussen
greift robert merle
henry ford zwischen die beine

irgendwo draussen
pfeifft richard wagner
"who killed bambi" von den sex pistols

irgendwo draussen
liebt willy stoph
seine nichte auf dem wasserbett

irgendwo draussen
schlürft leonid breschnew
eine cäsiumauster aus

konfitüre aus blauen augen
goldenes haar aus sternenstaub
schmeichelnde lyrik
als ersatz einer bitteren ehrlichkeit

die in unseren hirnen gefriert
wir sind alle prostituiert!