thie.me | Jens Thieme views and discussions

thie.me | Jens Thieme views and discussions

thie.me | Jens Thieme views and discussions

ode an die öde

denk ich
in hoffnungslosem fernweh
an die stadt
die meine ganze liebe hat


geh ich
in schwimmenden gedanken
zu dem ort
der mir zu hause war und hort

wein ich
in abgrundtiefen nächten
um die leut‘
die in noch dunkleren tagen als heut‘

um ideale fechten

deren existenz wie ausradiert
mit phrasen überschmiert
und hochglanz aufpoliert
sich obere zehntausend
mit wollust an die fahne binden
doch diese drehen in den winden

um glatte wege zu begründen
und himmelreiche zu verkünden
die leider immer wieder beifall finden


die menschen bis zur aufgabe schinden
unsichtbar hinter stacheldraht verschwinden
diese und auch andere sünden
einer welt ohne götter und glaube

wie geschaffen für blinde und taube
werkzeuge einer machtgeilen clique
die sich allerdings feste stricke
um die eigenen hälse schnürt
und die geschundene masse führt

ein mittel zu finden das gebührt
den verbrechern die jahrzehnte geschürt haben

hass und verleumdung aus neid
und brachten hunderttausenden leid
zu beenden diese verkaufte zeit

soll es niemanden geben wie heut‘
der seine stadt verlässt

und nicht bereut den schoss seiner jugend zu meiden
denn lieber in der fremde zu leiden
unter der einsamkeit den schmerz zu bekleiden

vielleicht ohne heimatgefühl anstatt
beiwohnend dem tod seiner stadt
ohmächtig und matt
von ferne mitansehen zu müssen
dabei verstand und gewissen
ignorierend sie selbst dem tod übergibt

weil nichts anderes blieb
was von ewigkeit zeugte
und erinnerung auf dauer
so bleibt mir nur eine trauer:

mein leipzig ich liebe dich sehr
und brauchen werd ich dich umsomehr

weil man mein herz aus dir gerissen hat
meine zu tode gefolterte heimatstadt