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Sie tun es wieder - IMMER

Vor fast 25 Jahren schrieb ich eine Geschichte in meinen ersten Gedichtband. Getrieben von einer diffusen Angst. Heute erschlägt mich diese Geschichte.

"Wiegenlied für meine ungeborene Tochter"

Im Angesicht der Grausamkeiten in der Welt (die wir gerne nur empfinden wollen wenn sie nahe genug passieren) lese ich diese Geschichte zu mir und spüre den Horror des Vaters in der Ukraine, im Sudan, im Irak, überall. Der Vater der eine solche Angst vielleicht niemals artikuliert hat.

Aber er hat sie jahrelang durchlitten, täglich, stündlich.

Ich habe damals, noch vor jeder Ahnung einmal Vater werden zu dürfen, diese Worte geschrieben:

"Bald schon werden sie kommen und alles wieder genauso tun."

Heute weiß ich daß "sie" nie aufgehört haben.

"Komm, wischen wir uns die Tränen aus dem Gesicht, Kind."

Auch weiß ich heute, daß Angst oder ihr Ausdruck nicht reichen, reichen können.

Es scheint aussichtslos - sie tun es immer weiter/wieder.

Es passiert vielleicht nicht hier. Aber es passiert jetzt!

Aber ist stillhalten eine Option? Ist Ohnmacht akzeptierbar?

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